Webdesign · 10. April 2026 · 10 min Lesezeit

WordPress oder eigene Website?

WordPress betreibt laut W3Techs rund 43 % aller Websites weltweit. Das macht es zum Standard — aber auch zum bevorzugten Angriffsziel von Hackern. Wann eine handgeschriebene HTML/CSS-Site die clevere Entscheidung ist und welche Risiken WordPress wirklich mitbringt.

Cover-Illustration WordPress oder eigene Website: links WordPress-Dashboard mit Update-Liste und Plugins, rechts HTML-Code-Editor mit Browser-Vorschau, Gegenüberstellung mit Bewertungs-Icons für Wartung, Komplexität, Performance, Sicherheit, Kontrolle

Was WordPress so beliebt macht

WordPress ist kostenlos, hat tausende Themes und Plugins, eine massive Community und einen visuellen Editor. Ein Junior-Webdesigner kann in 2 Tagen eine Standard-Site live haben. Plugins wie WooCommerce, Yoast SEO oder Contact Form 7 erschlagen 80 % aller Anforderungen out-of-the-box.

Für viele KMU-Websites ist das die richtige Wahl. Aber: Was als Stärke verkauft wird, ist oft auch die größte Schwachstelle.

Die drei großen WordPress-Probleme

1. Sicherheit

WordPress-Core ist gut abgesichert. Plugins und Themes meist nicht. Eine durchschnittliche WordPress-Site hat 5–20 Plugins — jedes ein potenzielles Einfallstor. Sicherheits-Tracker wie Wordfence und Patchstack melden jedes Jahr tausende neue Schwachstellen in WordPress-Plugins.

Wer WordPress betreibt und nicht regelmäßig patcht, riskiert, dass die Site gehackt wird. Typische Symptome bei vernachlässigten Installationen: Spam-Injektionen, Defacements oder Malware-Skripte, die unbemerkt auf andere Server umleiten und das Google-Ranking versenken.

Pikant: Selbst Security-Plugins sind nicht immun. Wordfence — das meistinstallierte Sicherheits-Plugin für WordPress — hat in den letzten Jahren mehrere eigene CVEs in der NVD-Datenbank kassiert (zuletzt CVE-2022-3144, eine Stored-XSS-Lücke im Wordfence Security – Firewall & Malware Scan-Plugin). Das ist die ehrliche Lehre: Mehr Plugins = mehr Angriffsfläche, auch wenn das Plugin „Schutz" verspricht. Jedes zusätzliche Plugin will gepatcht und auditiert werden.

Faustregel

WordPress ohne Wartung ist eine Zeitbombe. Wer das System produktiv betreibt, braucht entweder einen festen Wartungs-Rhythmus (Backups + Updates mindestens monatlich) oder einen Wartungsvertrag mit jemandem, der das übernimmt.

2. Performance

WordPress lädt bei jedem Seitenaufruf eine PHP-Engine, Datenbank-Abfragen und Plugins — eine typische Site rendert dadurch spürbar langsamer als eine statische HTML/CSS-Site, die direkt vom Webserver ausgeliefert wird. Caching-Plugins (W3 Total Cache, WP Rocket) helfen — sind aber wieder ein Plugin mehr und müssen konfiguriert werden. Eine statische HTML/CSS/JS-Site braucht das alles nicht.

Diagramm · Race-Animation · Request-Lifecycle WORDPRESS BROWSER-REQUEST PHP-ENGINE STARTET PLUGINS + THEME LADEN DB-ABFRAGEN HTML AN BROWSER STATIC HTML BROWSER-REQUEST HTML AN BROWSER — direkt aus dem Dateisystem — vs
Beide Tokens starten gleichzeitig oben · Static-Token zischt direkt zur HTML-Box · WordPress-Token muss alle vier Stationen durchlaufen
Caveat

Mit aktivem Page-Cache (Cloudflare, WP Rocket, W3 Total Cache) wird die linke Pipeline für nicht eingeloggte Besucher größtenteils übersprungen — der Cache liefert vorgeneriertes HTML aus, fast wie bei Static. Mehr dazu im nächsten Abschnitt zu CDN.

3. Lock-in

Wer einen WordPress-Site mit Page-Builder (Elementor, Divi, WPBakery) baut, ist drin. Der Inhalt ist in proprietäre Datenstrukturen verstrickt — eine Migration ist Wochen-Arbeit. Bei einer HTML-Site: einfach den Ordner kopieren, fertig.

Wann HTML/CSS/JS die bessere Wahl ist

Wann WordPress die bessere Wahl ist

CDN als Equalizer — wie Cloudflare den Gap schließt

Das Performance-Diagramm oben ist nur die halbe Wahrheit. In der Praxis sitzt vor fast jeder gut gepflegten WordPress-Site ein CDN — meistens Cloudflare. Und das verändert das Spiel grundlegend.

Cloudflare macht drei Sachen, die direkt auf das obige Diagramm einwirken:

Mit Page-Cache + CDN ist eine WordPress-Site für anonyme Besucher fast so schnell wie eine statische Site. Der Unterschied wird messbar nur noch beim ersten Request (Cache-Miss) und für eingeloggte Nutzer (z. B. WooCommerce-Warenkorb, Member-Bereich) — dort läuft die volle PHP/DB-Pipeline weiter.

Heißt für die Entscheidung: Wenn du WordPress mit ordentlichem Caching und Cloudflare betreibst, ist Performance kein zwingendes Argument für Static. Sicherheit und Wartungsaufwand bleiben aber: ein Plugin-Update vergessen kannst du jeden Monat neu, ein Static-File altert nicht.

Faustregel

WordPress ohne CDN ist heute fahrlässig. Cloudflare Free reicht für 90 % der KMU-Sites — DNS umstellen, Page-Rules setzen, Brotli + HTTP/3 aktivieren. Eine eigene tiefere Anleitung dazu folgt als separater Beitrag.

Der Hybrid-Weg: Static + Headless CMS

Wenn dir Static gefällt, der Kunde aber doch Inhalte selbst pflegen können soll, gibt es eine moderne Alternative: Static + Headless CMS. Das funktioniert so:

Der Kunde sieht: ein normales Redaktions-UI, fast wie WordPress. Der Server sieht: nur statische Dateien, keine Datenbank, keine PHP-Engine, keine Wartung. Das Beste aus beiden Welten — mit etwas mehr Setup-Aufwand am Anfang, aber praktisch null Wartung danach.

Für wen passt das? Klassische KMU-Sites mit gelegentlichem Blog, Foto-Portfolio das wachsen soll, Vereins-Sites mit News-Stream. Ungeeignet für E-Commerce mit Live-Inventory, Member-Bereiche oder echte Web-Apps — dort brauchst du wirklich dynamisches Backend.

WordPress ist kein „falsches" Tool. Aber es ist auch nicht das „richtige" für jede Aufgabe. Wer ehrlich beraten will, fragt zuerst nach dem Use-Case — nicht nach der Plattform.

Was ich Kunden in Aachen empfehle

Wenn ich gefragt werde: WordPress nur dann, wenn der Kunde wirklich selbst pflegen will — und auch nur mit Wartungsvertrag, klar geregelten Update-Zyklen und Backup-Strategie. Sonst lieber eine handgeschriebene HTML-Site mit dem Vorteil: läuft, läuft, läuft. Und in 5 Jahren ist sie immer noch sicher.

Fazit

WordPress hat seinen Platz — vor allem für Blogs, Shops und Kunden mit eigener Pflege-Disziplin. Für reine Marken-Websites ist eine handgeschriebene HTML/CSS/JS-Site oft die ehrlichere Wahl: schneller, sicherer, billiger im Betrieb.

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